Fertig: Das Wintertraining Rennrad liegt hinter uns! 14 Tage - nein, nicht nur Sonnenschein! - mit 1.700 km und 18.000 Hm. Hier der Reisebericht der Tour Barcelona - Valencia - Zaragoza - Perpignan - Narbonne - Marseille (Mit vielen Photos!)

Vorbemerkungen

Diese Trainingstour folgt einer ähnlichen Route wie 2014/15, nur umgekehrt: Wir starten (mit längerer Anreise) in Barcelona und wollen erst eine Runde im wärmeren Spanien drehen - zum Einfahren an der flachen Küste, später dann auch im bergigen Hinterland; anschließend soll es an der französischen Mittelmeerküste nach Marseille gehen. Unterkünfte sind nur an Start und Ziel fest gebucht: Alle Zwischenübernachtungen ergeben sich nach Lust & Laune, Streckenwahl und Wetter. Christian kennt die Gegend noch gar nicht; für mich soll sich eine Kombination aus Bekanntem und Neuen ergeben. Die Langfristwettervorhersage für Spanien ist hervorragend! Und auch für den Umstieg in Paris können wir auf eine Wolkenlücke hoffen:-)

Alle Photos mit Namensbestandteil DSC_ sind von Christian Gebauer, mit IMPG0, IMG_ oder Screenshot_ von mir.

Anfahrt auf den Puerto de la Esquinoza im spanischen Hinterland
Anfahrt auf den Puerto de la Esquinoza im spanischen Hinterland

Spanien - Frankreich: Barcelona - Marseille 2018/19:

12 x Sonne + 2 x Nebel = 1.700 km

Anfahrt in's Pays Cathare vor Kulisse der Pyrenäen
Anfahrt in's Pays Cathare vor Kulisse der Pyrenäen

Anreise: Donnerstag, 20.12.2018 (Tag 0) Frankfurt - Paris - Barcelona

Wir stückeln die Anreise mit der Bahn und kaufen die e-Tickets dort, wo sie als erstes zu bekommen sind: Die SNCF hat da einen unschlagbaren Service und gute Preise:-) Hinfahrt FRA-(ICE)-PAR-(TGV-Duplex)-BAR für zusammen 55+39=94 EUR und MAR-(TGV-Duplex)-FRA für 39 EUR. Den zeitlichen Puffer zum Umstieg nutzen wir bei leicht sonnigem Wetter für eine kleine Stadtrundfahrt am Kanal Martin zur 'CITE DES SCIENCES ET DE L'INDUSTRIE' und zum Mittagessen sowie Bahnhofswechsel. Auf der ca. 1.500 km langen Anreise haben wir am Zielbahnhof Barcelona Sants 10 min. Verspätung. Wir rollen die 200 m in das vorgebuchte Hotel hinüber und kehren gegenüber in das Restaurant mit Bar ein. Die Wettervorhersage für unser erstes Etappenziel ist toll! Nur die Windrichtung irritiert etwas ... Ein Rückblick sei auch erlaubt:-)

Spanien

Landkarte der Route in Spanien: klein oder GROSS (1,5 MB)

3 Tage auf nach Süden!

Freitag, 21.12.2018 (Tag 1) Barcelona - Tarragona: Warmfahren

Bei bestem Wetter mit Rückblick auf Castelldefels starten wir die Küste entlang und erreichen Sitges, wo nur die Möven den Strand bevölkern. Die Küste ist wildromantisch, wo wir nach einer Bar-Pause mit Blick auf den Stadtstrand durch die sehenswerte Altstadt rollen. Gut gelaunt ob des tollen Wetters fahren wir auf der Küstenpromenade weiter. Der Gegenwind hält sich in Grenzen und die Temperaturen sind bei unserer Einkehr in Raco de Santa Llucia sommerlich; in Spanien üblich: Nach dem ersten oder zweiten Glas bleibt die Flasche zum Nachfüllen beim Gast. Gemächlich fahren wir an unserem ersten Tag auf den Küstenpromenaden und genießen den Ausblick auf die vor uns liegende Küste! Vorbei an Altafulla (demnächst mal einen Abstecher wert?) und Grabmal Torre de los Escipiones, einem der bedeutendsten römischen Grabmonumente [9.1.19] auf der iberischen Halbinsel. Wir finden in Tarragona ein Hotel (nahe des Bahnhofs) und machen uns bei Sonnenuntergang am römischen Amphitheater vorbei auf, die Stadt zu erkunden: U.a. sehen wir die Gewölbe des römischen Circus und die eindrucksvolle Fassade der Kathedrale mit großem Portal und Rosette (wegen der Pest 1331 nicht vollendet). 101 km, ∑ 101 km, Ø 19,7 km/h, 866 Hm, 10~20°C

Samstag, 22.12.2018 (Tag 2) Tarragona - Peniscola: Berge & Ebene

Heute starten wir kurz nach Sonnenaufgang und erreichen kurze Zeit später Salou: Auf der Küstenpromenade, später auf dem Radweg folgen wir der Küste, bis wir einen Abstecher in die nahen Berge machen: Die Strecke ist extrem verlassen und entsprechend ruhig (Rückblick), so daß man Wind und Vögeln lauschen kann. Bevor wir wieder hinunter an die Küste fahren, kehren wir in El Perello zum Mittag ein, wo gerade eine Art Weihnachtsmarkt stattfindet. Den Abschluß der Pause bilden bei mir Flan Caramel und Cortado. Anschließend machen wir einen Abstecher in das Delta de l'Ebre mit seinem großflächigen Reisanbau (Paella!) und Rückblick in die Berge. Diese landwirtschaftliche Gegend ist wirklich traumhaft schön! Doch schon bald taucht unser Tagesziel an der Küste auf, dem wir uns langsam nähern: Die Festungsstadt Peniscola! Recht schmucklos aber eindrucksvoll erhebt sie sich der (modern bebauten) Küste vorgelagert auf einem Felsen. Nach dem eindrucksvollen abendlichen Blick vom Zimmerbalkon machen wir einen Rundgang durch den Ort: Dabei interessiert mich besonders das Lichtspiel von Vollmond, Festungsillumination und einer Lichtstruktur, die der nahe aktive Leuchtturm zyklisch über die Festungsmauern streichen läßt; anschließend finden wir uns zur Paella in einem der wenigen geöffneten Lokale ein (es ist schließlich Wintersaison:-) 142 km, ∑ 243 km, Ø 22,4 km/h, 884 Hm, 7~20(-25)°C

Sonntag, 23.12.2018 (Tag 3) Peniscola - Valencia: Orangenhaine

Nach einem Frühstück in einer der ganz wenigen offenen Bars zu Sonnenaufgang am Sonntag verlassen wir mit einem Rückblick Peniscola: Auf einer recht steilen Rampe mit klasse Rückblick die Küste entlang gelangen wir auf eine der Küstenlinie folgenden Naturstraße! Nach ein bischen Auf und Ab geht es wieder an die Küste hinunter; der Belag ist nicht ganz rennradoptimal, bietet aber immer wieder einen Rückblick nach Peniscola. Da Christan einen Crosser fährt, kommt er anders voran als ich und nachdem wir uns an einer Weggabelung verpaßt haben - ich warte vergebens in der Botanik - verabreden wir uns per SMS und mittels OSM im nächsten Ort. Hier nutzen wir einend er zahlreichen Bars für eine Einkehr (nach 15 km nichtstaubfreie Strecke:-) und lassen diese eigentlich KFZ-freie Strecke, die ich bisher noch nie gefahren bin, Revue passieren: Extrem ruhig und sehr naturnah! Der jetzt folgende Abschnitt ist eher unaufregend: Nach Benicasim hinab und durch den ebenen, großflächigen Orangenanbau erreichen wir unser Tagesziel Valencia (hier über die Brücke Pont dels Serrans das alte Stadttor Torres de Serrano). Christian macht ein Hostal mit Blick vom Balkon auf die Kathedrale ausfindig! Im dichten Treiben am Sonntagabend so kurz vor den Feiertagen besuchen wir den Palacio de la Generalitat (spanisch) [10.1.19], wo besonders die Kacheln im Salon de Cortes Zocalo und die hölzerne Galerie und Kassettendecke beeindrucken. Zum Abendessen lasse ich mir einen besonderen Nachtisch schmecken: Requeson Valenciano con Miel de Naranja, Nueces Caramelizadas y naranja confitada (Frischkäse aus Valencia mit Orangenblütenhonig, karamelisierten Walnüssen und kandierten Orangen)! Auf unserem Weg zum Hostal kommen wir an den - leider schon geschlossenen - alten Markthallen vorbei, aber gegenüber die Bar Boatella Tapas hat noch offen:-) 150 km, ∑ 393 km, Ø 22,1 km/h, 1.000 Hm , 8~22°C

3 Tage durch Wüsten im Hinterland

Montag, 24.12.2018 (Tag 4) Valencia - Montanejos: Erste Berge

Wieder bei bestem Wetter verlassen wir Valencia (hier die Kathedrale) und machen uns auf in's Hinterland: Dabei sind fast unendlich viele Radfahrer (Rennrad/MTB) unterwegs, wir fallen gar nicht auf. Nach den ersten Hügeln erreichen wir Olocau, wo wir spontan in den Ortskern fahren und in der Bar Faustino einkehren: Hier sitzen schon reichlich Rennradfahrer (man beachte den Cervelo-Rennhobel ganz links!), es werden aber immer mehr; und das am Heiligabend! Und während Christian Photos von der immer aufregender werdenden Landschaft macht, warte ich gerade mit dem Gios vor der Agave (während meine Agave draußen auf dem Fensterbrett gerade mal 5 cm mißt). Auch wenn wir jetzt erstmals in den Bergen strampeln müssen, entschädigt die Landschaft überschwenglich! Die Rücksichtnahme der KFZ wäre uns gewiß - wenn es denn welche gäbe - und man beachte: Fahrradfahrer fahren wie PKW-Insassen nebeneinander! Neben Aufstiegen gibt es natürlich auch grandiose Abfahrten (hier Christian im Kurvenschwung). Bevor wir Segorbe im Tal erreichen und rechts liegen lassen, kehren wir in Altura zu einer Pause ein: Ausgerechnet San Remo heißt die Bar (wo Christian und ich doch schon gemeinsam Milano-Sanremo gefahren und von Sanremo zu einer Tour durch die französischen Seealpen aufgebrochen sind), wo wir uns einige Tapas schmecken lassen. Jetzt folgen wir einem alten Bahndamm und unterquerendie Schnellstraße ('So viele Autos sind eine Verschwendung.') Nach dem nächsten Bergrücken stürzen wir in's Tal und erreichen Montanejos: Hier übernachten wir recht feudal in der einzig geöffneten Unterkunft ..., und sind die einzigen Gäste (an Heiligabend). Alles ist geschlossen, nur eine Bar hat bis 18 Uhr geöffnet, wo wir uns für den Abend noch mit Nüssen und einer Flasche Wein versorgen ... 102 km, ∑ 495 km, Ø 19,2 km/h, 1.669 Hm, 8~20°C

Dienstag, 25.12.2018 (Tag 5) Montanejos - Utrillas: Verlassene Landschaften

Heute stellen sich uns 4 Puertos in den Weg! Zuerst frühstücken wir aber in der Bar von gestern, die (extra für uns Gäste der Unterkunft?) 8:30 aufmacht. Dann brechen wir Richtung Fuente Los Banos auf (es gibt hier Thermalquellen [10.1.19], 25°C, ehemals arabische Bäder) und wir folgen der immer imposanter werdenden Schlucht mit Tunnels. In immer bergigerer Region passieren wir Fuentes de Rubielos, folgen der Flanke am Hang mit schönem Blick über die Talebene und erreichen nach einer Abfahrt Rubielos de Mora. Auf gut ausgebauter Strecke kommen wir anschließend nach Mora de Rubielos (auf diese Namensähnlichkeit wurden wir in der Bar schon hingewiesen) mit Festung und erreichen nach einem kräftigem Anstieg mit Blick in zerklüftete Landschaft den Puerto de San Rafael (im Hintergrund links der Wintersportort La Virgen de la Vega). Vor dem nächsten Puerto lassen wir den Ort Alcala de la Selva links liegen und passieren oben die letzten - oder ersten? - Schneereste. Die jetzt folgende Abfahrt rollt auf neuem Aspahlt mit Rückenwind doppelt gut und an Jorcas und der Ermita am Wegesrand vorbei geht es in die Anfahrt zum vorletzten Puerto, den wir mit letzter Kraft nehmen. In Utrillas kümmert sich die Hotelfrau rührend um uns Radfahrer: Da sie unsicher ist, was alles auf hat im Ort am ersten Feiertag, bietet Sie uns Limonade und ein Boccadillo an! Beim Stadtrundgang aber finde ich die Cafeteria Niza wieder (wo ich schon im Sommer 2017 Pause gemacht hatte), in der wir mit den Einheimischen zusammen den Abend verbringen. 129 km, ∑ 624 km, Ø 19,9 km/h, 2.250 Hm, 3~15°C

Mittwoch, 26.12.2018 (Tag 6) Utrillas - Zaragoza: Einfahrt in den Nebel

Heute, der Unglückstag: Doch wir starten mit Sonne in den zweistufigen Anstieg hinauf, um dann mit toller Sicht und Rückenwind leicht wellig hinunterzurollen, vorbei an La Hoz de la Vieja. In Muniesa rollen wir durch den Ort, sehen uns den Turm im Mudejar-Stil der Kirche Iglesia de la Asuncion de Nuestra Senora (spanisch) [10.1.19] an und kehren in der Bar an der Straße ein, wo um 10 Uhr schon gut gespeist wird. Doch eine Stunde und 20 km später erreichen wir den schönen Aussichtspunkt mit Blick auf die Felsformation und die sich vor uns ausbreitende Ebene; doch wenn wir den Blick nach rechts wenden, ist etwas anders: Die Ebene ist randvoll gefüllt mit Nebel; links das gleiche Bild! So fahren wir ab jetzt überwiegend im Nebel oder unter Wolken, dabei wird es rattig kalt:-| Zwischen überqueren wir einen Höhenzug (700 m), wo wir den Nebel kurzzeitig verlassen, 15 min. später aber wieder eintauchen bis Zaragoza. Nach Bezug unseres extrem zentrumsnahen Appartments (zum Hotel Sauce) - wo sich das Nebel-Desaster in der Ebro-Ebene im Wolkenradar voll entfaltet! - sehen wir uns die Basilika del Pilar [10.1.19] (größtes barockes Bauwerk Spaniens) und die Aljaferia [10.1.19] (Stadtpalast von Zaragoza) an: Dieser enthält aus maurischer Zeit eine private Moschee mit Mihrab und natürlich die Prunkgemächer, die sich zum Patio öffnen; im Hinterrgund die Zeremonialtreppe der katholischen Könige. Die führt in's Obergeschoß, welches von den katholischen Königen, welche im Mudejar-Stil weiterbauen ließen, errichtet wurde und u.a. den Thronsaal mit Galerie und eindrucksvoller hölzernen Kassettendecke beherbergt. Auf dem Rückweg zum Appartment kehren wir in der Bar El Picadillo auf einige Tapas ein, bevor wir uns zum Nachtisch im La Fama zu Churros mit Schokolade und Cafe einfinden. (Hierbei gefiel mir gar nicht, daß die Schokolade nunmehr in Einwegtassen aus Plastik ausgeschenkt wurde, die sodann weggeworfen wurden:-( Wobei es früher, 2010, durchaus noch Schokolade in Mehrwegtassen gab! 126 km, ∑ 750 km, Ø 23,6 km/h, 1.119 Hm, -1~3(~12~)3°C

3 Tage zurück an die Küste

Donnerstag, 27.12.2018 (Tag 7) Zaragoza - Balaguer: Unter Wolken im Dreck

Ich hätte jetzt vielleicht einen Ruhetag eingelegt, mir Zaragoza angesehen und ein Spa gesucht; doch das Wolkenradar verheißt nichts Gutes:-( So machen wir uns durch eine anfangs wellige und recht schöne Landschaft auf, die später mehr und mehr von Rinder- und Schweinezuchtbetrieben beherrscht wird, um Balaguer im Osten zu erreichen. Teilweise leichte Feuchte und ein fast beständiger Lehmfilm auf der Straße läßt unsere Räder entsprechend aussehen als wir das erste Hotel am Platze beziehen: Dieses liegt nur um die Ecke vom historischen Zentrum mit zentralem Platz, an dem wir uns in einer Bar an Montaditos gütlich tun. Das sind eine Art Canapes, die mit z.B. Sobrasada (einer mallorquinischen Paste/luftgetrockneten streichfähigen Rohwurst), Manchego-Käse und Honig oder Quittenkonfitüre, Ziegenkäse und Balsamico Creme. Hier lernen wir auch Ken, den Rentner aus Schottland kennen, den es damals wegen der Arbeit nach Madrid verschlagen hat; eine sehr angenehme Unterhaltung war da garantiert. Zum Abschluß des Abends genehmigen wir uns in einer weiteren Bar einen Nachtisch mit Brandy ..., wobei die Spanier in bestimmten Dingen lieber den Italienern vertrauen;-) 177 km, ∑ 927 km, Ø 24,7 km/h, 1.645 Hm, 2-6-8-6°C

Freitag, 28.12.2018 (Tag 8) Balaguer - (Calders): Pyrenäen im Luxus

Beim Frühstück werfe ich einen Blick auf's Wolkenradar: Keine wesentliche Besserung ist erstmal in Sicht, doch wir können den Nebel heute verlassen! So starten wir wieder im Nebel - Lichtblicke sind Torrons Artesans in Agramunt, die Unterquerung einer der vielen Kanäle oder die Altstadt Sant Ramons: Hier kehren wir begierig ein, alleine schon um uns aufzuwärmen, zusammen mit den Wanderern (links), dem Fleischer (rechts), der gerade frische Ware geliefert hat und dem Herrn an der Theke (der sich für die Bar-Lotterie interessiert). Mit diesem wechsel ich beim Blick in die Zeitung noch ein paar Worte über das Wetter (ja, die Pyrenäen liegen in der Sonne). Draußen hat sich nicht viel geändert: Das Convento liegt weiter im Nebel, wobei mich das - frisch renovierte? - barocke Portal doch ein bißchen fasziniert! Der Nebel wird lichter mit jedem Meter Richtung Osten, wo wir auch an Höhe gewinnen, bis wir nach einem Talwechsel (bei Aguilar de Segarra) den Nebel endlich verlassen können! In Manresa entscheiden wir uns gegen die Übernachtung (eine auf mich irgendwie unangenehm wirkende Stadt) und für die Weiterfahrt hinauf nach Calders in die Berge ... und - mit abendlichem Blick bis zu den Pyrenäengipfeln im diesigen Sonnenlicht - darüber hinaus zum Hotel Urbisol **** (wo wir formidabel unterkommen mit Halbpension:-) 129 km, ∑ 1.056 km, Ø 21,4 km/h, 1.702 Hm, 5~8-3°C

Samstag, 29.12.2018 (Tag 9) (Calders) - Besalu: Verlassene Bergstrecken

Der Nebel hat uns zwar über Nacht eingeholt. Doch das Wetterradar zeigt uns an, daß der Weg im Nebel sehr endlich ist. Aber der Hotelier weist uns vor der Abfahrt noch darauf hin, daß es in Vic 'eigentlich immer' Nebel gibt; klar, liegt im engen Flußtal. So verlassen wir den Nebel bald (immer wieder ein Schauspiel, wenn die Sicht im Nebel langsam weiter wird und die Sonne den silbrigen Schleier lichtet) und blicken zurück, wo die Suppe wie Watte träge im Tal liegt! Wir genießen die neu gewonnen Sicht auf die Pyrenäen, passieren den Coll de la Pollosa und hoffen, rechts durch's Tal zu fahren. Doch Vic liegt eher links, dick unter Wolken begraben:-( Nach der Fahrt in der Sonne wird es wieder bitterkalt; wir müssen uns in Vic in einer Bar stärken und unbedingt aufwärmen, denn die Abfahrt hat uns auskühlen lassen:-( Etwas später entdecke ich am Straßenrand dieses Gebäude aus der Zeit der Modernisme (spanische/katalanische Form des Jugendstils), welches schon bessere Zeiten gesehen hat ('Vista alegre'='Fröhlicher Anblick'). Später in Sant Pere de Torello verlassen wir den Nebel endgültig, genießen die Sonne vor einer Bar und begeben uns auf die alte Bergstrecke Richtung Olot: Eine völlig KFZ-freie kleine Straße mit toller Aussicht in die umliegenden Berge! Anschließend fällt mit bei der Durchfahrt durch Olot noch dieses Gebäude auf: Der 'Torre Malagrida' von 1920 im Stile des Noucentisme ist ein Beispiel einer katalanischen Bewegung gegen Modernisme (und Jugendstil). Da wir Llanca den der Küste sicher nicht mehr erreichen können, wollen wir uns keinen Streß antuen und alsbald im nächsten schönen Ort einen Unterkunft suchen. Besalu kommt uns da genau richtig: Ein Hotel ist schnell gefunden. Und beim Studium der Michelin-Karte nachher fällt mir eine Notiz von 1999 auf: "Mittelalterlich, jüd. Viertel + Bad" habe ich notiert, was wir uns auch angesehen haben. In die mittelalterlich erhaltene Stadt mit dem ehemaligen jüdischen Viertel mit besonderem Ritualbad (Mikwe) aus dem 12. Jh. im Bildzentrum gelangt man über die einmalige Brückenkonstruktion mit zwei Wehr- bzw. Zolltürmen. 111 km, ∑ 1.167 km, Ø 20,7 km/h, 1.605 Hm, -1~13-5°C

Sonntag, 30.12.2018 (Tag 10) Besalu - Perpignan: Cote Vermeille

Bei abendlichen Rundgang war mir Sant Vincenc aufgefallen: Richtig, es ist ein Mix aus Romanik (Portal aus dem 10. Jh.) und Gotik (Fenster mit Rosette). Beim Frühstück in einer Bar werfe ich dann einen Blick auf das Wetter: Mit 2-16°C zwar frisch, aber sonnig. Bei der Durchfahrt durch Figueras (2. Frühstück) fallen mit diese beiden Gebäude auf: Rechts Schmuck wie im ausgehenden Jugendstil, während links viel schlichter Ornamentschmuck und Fensterformen gefallen. Ab dort auf der Nebenstrecke passieren wir den netten Ort Peralada (mit Schloß und Park) mit tollem Pyrenäenblick! Im letzten Ort der Nebenstrecke Garriguella entsteht dann das Spiegelbild; denn ohne Spiegelbild keine echte Behindset-Tour;-) Wir passieren einen Winzer und ich werfe einen Blick nach Süden auf die Südküste, Empuriabrava und Montgri. Dann endlich erreiche wir die Küste in El Port de Llanca und kehren zu Gebäck und Getränk ein. Der jetzt folgende Küstenabschnitt ist einer der schönsten der ganzen Reise: Hier im Süden fehlen auch die Richtung Frankreich zahlreicher werdenden Ausflügler und Touristen, gottlob! Wir nehmen die erste Anfahrt und anschließende Abfahrt nach Portbou (spanischer Grenzort) in Angriff, wo wir eine letzte Pause in Spanien einlegen (Rückblick auf die Bar). Nächste Auf- ...

Frankreich

Landkarte der Route in Frankreich: klein oder GROSS (1,7 MB)

... und Abfahrt nach Cerbere: Tolle Typographie an der 'ecole mixte' und die Renovierung des Art Deco-Hotels von 1932 geht voran (LE BELVEDERE DU RAYON VERT [11.1.19]), wie schön! Dann kommt Port Vendres in Sicht: Hier nimmt sowohl der Personen- wie auch KFZ-Verkehr schon deutlich zu; und wo meine Lieblingsbar in Colliour erst um 16 Uhr aufmacht und der KFZ-Verkehr die Parkplätze zum überlaufen bringt und die Straßen verstopft, erinnern wir uns an den Bar-Stop in Portbou und fahren wir einfach weiter:-) Besser so, denn nach einem Schlenker kommen wir nach Sonnenuntergang in Perpignan an: Hier sehen wir uns noch die Kathedrale und die Loge de Mer (gotisches altes Gerichts- und Zollgebäude) an, bevor wir uns auf dem Weihnachtsmarkt den Gaumengenüssen hingeben (Austern, Weißwein, ...). Später sehe ich noch mal nach dem Wetter: Frisch, aber sonnig. (Um den Wind müssen wir uns später noch kümmern ...) 129 km, ∑ 1.296 km, Ø 19,6 km/h, 1.635 Hm, -1~18~22~16°C

4 Tage Endspurt durch Frankreich aka Ausrollen

Montag, 31.12.2018 (Tag 11) Perpignan - Narbonne: Pays Cathare

Bei bestem Wetter (mit fallenden Temperaturen) werfen wir beim Verlassen Perpignans einen Blick auf das Wahrzeichen, den El Castellet (letztes Überbleibsel der alten Stadtbefestigung). Unser Abstecher heute in das Pays Cathare führt uns zuerst Richtung Pyrenäen, wo sich der Hauptkamm vor uns ausbreitet. Wir entfernen uns vom Meer (ganz im Hintergrund), tauchen in eine sehr karge Bergregion mit toller Straßenführung ein, passieren Vingrau - klar: Großes Weinabaugebiet hier! - und erklimmen den nächsten Anstieg. Pause machen wir in Tuchan (die Bar hat scheinbar immer offen:-) Vom Col d'Extreme (251 m) folgen wir dem Flußtal, um über Durban-Corbieres und Fraisse de Corbieres durch noch wildere Landschaft über den letzten Paß die Abfahrt nach Sigean anzutreten. Hier steigen wir in den Radweg ein, der uns nach Narbonne bringen soll. Vorbei an Salinen-Gehöften folgen wir zwischen Etangs dem Canal de la Robine, bis am Horizont Narbonne auftaucht (mit dem obligatorischen Riesenrad des Weihnachtsmarktes neben der Kathedrale). Schon bei der Anfahrt zum zentrumsnahen Hotel de Paris [11.1.19] werfen wir einen Blick auf die nicht fertiggestellte Kathedrale (rechts der Chor, links das nicht fertigestellte Hauptschiff; in die wir aber leider wegen Geschäftsschluß nicht mehr reinkommen); vorher können wir aber den Palast mit seinem imposanten Treppenhaus (Christian: "Da kann man ja hochreiten!") besuchen. Da einige Restaurants geschlossen sind und andere ausgebucht, kommen wir 'im (Wein-)Keller' eines Italieners unter, wo ich einen Wein Ocellus Abbaye Fontfroide aussuche (wobei die Abbaye nicht weit entfernt ist, aber ungünstig liegt, die ich 2014/15 besucht habe). Als nach und nach die Keipen zumachen oder ausreserviert sind, verzichten wir auf Silvester ... 114 km, ∑ 1.410 km, Ø 19,2 km/h, 1.130 Hm, 14~18~(22)~13°C

Dienstag, 1.1.2019 (Tag 12) Narbonne - Sete: Croissant d'Amande ...

Wir frühstücken am Neujahrstag in der einzig offenen Bar etwas kärglich (es gibt nur noch ein Pain au chocolat) und verabschieden uns mit einem Blick auf Palast und Kathedrale (wobei mir die Wolkenschwaden links schon komisch vorkommen:-| Und in der Tat überqueren wir das Montagne de la Clape - mal wieder - im Nebel (damit ist jetzt aber Schluß!). In Narbonne-Plage hat der örtliche Bäcker offen; doch von den Croissant amande in der Auslage hätten wir mal lieber die Finger gelassen: Wir machen sie für unsere rebellierenden Mägen in den nächsten beiden Tagen (erst Christian, dann ich) veranwortlich; aber Beweise haben wir nicht. Frohgemut verlassen wir den fast ausgestorbenen Ort, folgen zwischendurch dem Canal du Midi (leidet Christian hier schon?), machen Pause in Vias und folgen dem Radweg mit kräftigem Rückenwind durch die Dünen am Meer entlang auf Sete: Kurz vor der Stadt kehren wir zu einem kleinen Mittagsimbiß in eine Strandbar [14.1.19] ein und beschließen, den Tag in Sete zu beschließen. Dort sticht an den Kanälen dann das Palais Consulaire mit seiner Architektur heraus (Sete wir dauch das Klein-Venedig des Langedoc genannt). Und während Christian das Bett hütet streife ich am Hafen entlang und finde tolle mediterrane Architektur, auch direkt an den Hafengebäuden. Und da das Hotel Azur geschlossen hat, ist der Blick aus dem Fenster des Ibis Budget nicht gar so spektakulär wie der des Hotel Azurs. 88 km, ∑ 1.498 km, Ø 22,8 km/h, 558 Hm, 2~13~(22)~11°C

Mittwoch, 2.1.2019 (Tag 13) Sete - Saintes Maries de la Mer: ... Teil II

Ok, heute muß ich dran glauben (und das Wetter sagt auch noch Sturm voraus!), während es Christian schon besser geht (er hatte gestern noch in Aussicht gestellt, evtl. die Tour mit dem Zug fortzusetzen). Ganz gemächlich, mit kräftigem Rückenwind, erreichen wir die Überquerung des Canal du Rhone a Sete (Sete selbst im Hintergrund) auf Nebenstrecken vorbei an Kolonien von Flamingos und wieder auf einem Radweg durch die Dünen geht es Richtung La Grand Motte, unweit von Le Grau du Roi (meinem Lieblingsort hier, aber daran habe ich mittlerweilen keinen Gedanken mehr): Hier machen wir Mittagspause im Cafe Moderne; aber obwohl ich Hunger habe und mich auf den Salade fruit de mer freue, will er nicht schmecken:-| Auf dem Radweg steuern wir Aigues Mortes an (im Hintergrund mitte links schon der Tour de Constance); ist aber eher von Touristen bevölkert, ganz im Gegensatz zu z.B. El Perello, Utrillas, Montanejos oder Balaguer in Spanien, wo wir einen authentischen Ort zwischen den Jahren erlebt haben! Durch die Camargue kämpfe ich mich tapfer, gottlob unterstützt durch einen heftigsten Mistral, der unheimlich schiebt! So erreichen wir Saintes Maries de la Mer, wo wir ohne Umweg über den Ortskern direkt in die Unterkunft fahren und dort einen Fernsehabend veranstalten: Niemand will bei diesem Sturm freiwillig das Hotel verlassen! 92 km, ∑ 1.590 km, Ø 20,9 km/h, 269 Hm, 5~13~(22)~11°C

Donnerstag, 3.1.2019 (Tag 14) Saintes Maries de la Mer - Marseille: Endspurt durch die Camargue

Vor unserer Abfahrt sehen wir uns die Sehenswürdigkeit an, Notre Dame de la Mer: Die im Innern sehr schlichte Wehrkirche. Dann begeben wir uns bei stürmischem Mistral auf den Seedeich, den das Meer vom Marschland der Camargue trennt. Auch hier wieder Flamingo-Kolonien, ein Reich für Ornithologen! Der heftigste Wind erfordert einiges an Steuerkünsten, gerade auf dem losen Schotter! Der Phare de la Gacholle lädt zu einer Verschnaufpause ein, bevor wir den Seedeich verlassen. Dann 'an Land' läßt der Wind etwas nach ... Anschließend durchqueren wir Sakin de Giraud, wo wir uns spontan zu einem Mittagessen in der Bar des Sports entschließen: Für mich gibt es die Spezialität Gardianne de Taureau. Den Ort mit seinen belgischen Siedlungen verlassen wir mittels der Fähre Bac de Barcarin über die Grand Rhone. Jetzt fahren wir etwas unschön durch den Port de Fos, bis wir als Lichblick in Martigues ankommen: Klassische französische Fassaden, bunte Häuser am Kanal und die Fassade der Kirche. In der Abfahrt nach Sausset les Pins gibt es einen vollständigen Blick auf unser Ziel Marseille, obwohl es noch gut 35 km sind, sich die Sonne schon neigt und wir über die L'Estaque-Berge müssen: Den letzten 'Paß' nehmen wir vor Le Rove. Egal, eine abendliche schnelle Fahrt durch Marseille bringt uns zum Hotel (welches mittlerweilen als Ibis Styles firmiert): Frühstück ab 5:30 sei jetzt inklusive:-) Wir bummeln noch zum Hafen, Essen dort zum Abschied und kehren in einer Bar am ehemaligen Hafenbecken ein. 119 km, ∑ 1.709 km, Ø 20,3 km/h, 1.107 Hm, 8~10°C

Abreise: Freitag, 4.1.2019 (Tag 15) Marseille - Frankfurt

Heute geht's zurück, wir starten mit unerwartetem Frühstück im Hotel und schieben die Räder die Treppen zum Bahnhof hoch. Dann geht es ganz schnell zum TGV-Duplex (es ziehen wirklich Wolken auf, wie tags zuvor gemeldet), der uns auf den Schnellfahrtstrecken mit konstant 300 km/h direkt nach Frankfurt bringt. Unsere Räder finden dabei direkt hinter uns Platz im Gepäckregal. Pünktlich erreichen wir Frankfurt, wo CHristian seine Reise nach kurzem Aufenthalt fortsetzt nach Hamburg.

Fazit

Meine mit über 1.700 km bisher längste Wintertour. Besonders in Erinnerung sind mir noch die spanischen kleinen, abgelegenen Ort, in denen wir zu dieser Jahreszeit alleine waren unter den Einheimischen, die uns Radfahrer meist umsorgt haben. Das Wetter ist fast eine sichere Bank: Sehr viel Sonne, wobei die Temperaturen im Süden angenehmer waren und der bisweilen stürmische Wind in Frankreich winterliche Kälte brachte. Aber: Hätten wir die Inversionsgroßwetterlage in der Ebro-Ebene umfahren können oder sollen? Naja, Pannen gab es keine, auch die KFZ fuhren - gerade in Spanien - extrem defensiv! Und kulinarisch wird es demnächst mal Montaditos geben ...;-)

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