La Primavera: Fahrt in den Frühling - Piemont & Provence! Kurioserweise nur mit Rückenwind fahre ich mit viel Sonne 1.600 km durch (die Schweiz,) Italien und Frankreich. Po-Ebene und franz. Seealpen, Küste und Binnenland kontrastieren dabei genau wie die Kulinarik Frankreichs und Italiens.

La Primavera: Fahrt in den Frühling

Sundowner, Marseille, Frankreich
Sundowner, Marseille, Frankreich

Piemont & Provence!

Alpenpanorama, Cuneo, Italien
Alpenpanorama, Cuneo, Italien

Vorbemerkung

An 14,5 Tagen fahre ich 1.616 km (Ø 111 km/Tag); die An- und Abreise erfogt mit dem ECE (Frankfurt-Mailand) nach Bellinzona und von Stresa. Viel Sonne und kurioserweise nur Rückenwind(!) begleiten mich durch das Piemont und die Provence, wobei sich meine Route mehrfach kreuzt und Abschnitte im Landesinneren und an der Küste abwechseln.

Die Route

In der Übersicht (Bellinzona - Marseille - Stresa) und im Detail Italien (Bellinzona - Col de Turini / St-Dalmas-de-Tende - Stresa; 6,3 MB) sowie Frankreich (Col de Turini - Marseille - St-Dalmas-de-Tende; 21 MB).

Tag 1: Anreise

Montag, 3.4. Mit dem durchgehenden Zug ECE 151 (Fahrradmitnahme) geht es Richtung Mailand; da sich das Wetter aber schon direkt südlich des Alpenhauptkamms sonnig abzeichnet, steige ich in Bellinzona (Schweiz) aus und radel - mit viel Sonne und extremem Rückenwind! - die gut 25 km - zuletzt am Lago Maggiore - zur italienischen Grenze ...

Italien

... und mit einer Pause vor Maccagno in der Bar 'Il Cinzanino' [25.4.23] - hier klettert das Thermometer in der Sonne schon auf 30°C! - und bestem Blick über den Lago zu meinem ersten Übernachtungsort Ispra. 75 km Ø 26,8 (2:47) 670 Hm 25-19°C 80 EUR

Tag 2: Flach nach Turin

Dienstag, 4.4. Früh hatte ich für heute schon mein Lieblingshotel in Turin reserviert: Das Alpi Resort [25.4.23] nahe des Po und der zentralen Piazza Vittorio Veneto. Wieder mit Sonne und viel Rückenwind mache ich mich auf den altbekannten Weg: Ranco, Angera mit Fähranleger und Blick über den Lago nach Arona, Sesto Calende, die Doppelstockbrücke. Bald schon wird es flach, es geht durch kleinste Orte und entlang endloser Felder von Reisanbau; z.B. vorbei an der Riseria Provera. Vorher ereilt mich aber fast ein Hungerast, so daß ich in Fornace Crocicchio im "RISTORANTE & PIZZERIA L'Angolo" [25.4.23] einkehre: Ein "RISTORANTE self-service d'eccellenza e pizzeria tra tradizione e modernita" (Selbstbeschreibung:-) Es handelt sich um eine Art Truckerimbiß an der Kreuzung SP3/SP230 nahe der A4, aber mitten im italienischen Leben; garantiert kein Tourist! Ich esse Vitello Tonnato und ein Risotto al salto allo Zafferano und genieße die Pause. So gestärkt und unterstützt durch den Rückenwind passiere ich Santhia und Chivasso und erreiche Turin am Po. Trotz der langen Strecke bin ich schon um 17 Uhr am Ziel; so bleibt noch Zeit für die Stadt: Hier liegt der Kai der Magazzino sul Po noch in der Sonne, ich lasse mich nach 150 km zu einem Wein hinreißen (ganz links, studentisch geprägt), bevor ich im Hotel einchecke. Auf meinem Stadtrundgang stolpere ich in die Galleria Subalpina: Ein historisches Gebäude von 1873, welches von den Pariser Passagen inspiriert ist und damals wie heute u.a. ein Cafe beherbergt. Abends lasse ich mir in der La Cantina u.a. Carne Cruda vom Fassona-Rind schmecken ... 150 Ø 23,3 (6:26) 891 Hm 9-19°C (~35°C) 75 EUR ∑ 225

Tag 3: Der ligurische Apennin

Südlich von Turin hätte ich jetzt die Barolo-Gegend angesteuert; doch da sich einerseits Regen nördlich des Apennins ankündigt will ich schnell an die regenfrei vorausgesagte Küste und andererseits Sassello erreichen: In 2020 bin ich dort mal mittags zum Essen eingekehrt. Der Ort - und auch das Hotel Pian del Sole [26.4.23] - gefiel mir damals so gut, daß ich wiederkommen und übernachten wollte:-) Mittwoch, 5.4. Ich starte bei perfektem Wetter - ja, wieder mit Rückenwind! - auf der Piazza Vittorio Veneto, freue mich bei einstelligen Temperaturen auf die Überquerung der Collina di Superga, passiere Chieri und Villanova d'Asti, bevor ich auf Nebenstrecken San Damiano d'Asti erreiche. Nach San Martino Alfieri überquere ich den Tanaro - wie ich auf diesem direkten Weg nach Sassello othogonal zu allen Flußtälern fahre (Belbo, Bormida), der Frühlings macht sich breit und fahre in das Gebiet des Moscato d'Asti ein. Die Landschaft ist elegisch schön, ich folge dem mir von anderer Stelle bekannten percorso panoramico del Nizza (im Hintergrund der Wegweiser nach Calamandrana, einem - oder dem einzigsten? - italienischen Ortsnamen mit 5 'a'), passiere alte Gemäuer in San Marzano Oliveto und erreiche nach Terzo den Fluß Erro mit seiner skurrilen Notbrücke, welchem ich dann flußaufwärts folge, wobei es nie arg steil wird und mich der Rückenwind quasi 'hochschiebt': STEREO Später in Sassello ist im Hotel noch Platz, es hat die Saison erst vor 6 Tage eröffnet:-) Da ich bis um 19 Uhr zur Öffnung des Restaurants noch Zeit habe, folge ich den Wandervorschlägen des Portiers (der Ort liegt nahe des PARCO DEL BEIGUA parco naturale regionale UNESCO) [26.4.23]: Einerseits wandere ich zu einem - leider geschlossenen - Agroturismo, andererseits ein paar Kilometer zum Lago dei Gulli. Dies ist eine Art Verbreiterung des Flusses (der Fluß Ciua mündet hier in den Erro-Fluß) zu einer Art Fisch-Teich. Die Flanke rechts führt ein Wanderweg hinauf zu den riesigen Felsbrocken, die dort aus dem Gestein ragen (Lherzolithic sferoids). Der Rückweg führ mich dann noch recht verwunschen über schmale Wanderwege zum Fluß hinunter. Im alten Ortskern habe ich noch Zeit, auf 3 Amaretti di Sassello einzukehren. 122 Ø 20,7 (5:55) 1.727 Hm 7~19°C 55 EUR ∑ 347

Tag 4: Auf alten Spuren

Donnerstag, 6.4. Schluck: Das Thermometer zeigt (in den Bergen) -2°C an! Nach dem Frühstück zur Abfahrt bei +4°C zum Meer ziehe ich mich warm an; an der Küste ist es aber schon angenehm:-) Dort staut eine Baustelle mit Ampelregelung den Verkehr, so daß wir Rennradfahrer frei Fahrt haben! Die Küstenstraße ist traumhaft schön: Wie damals bei den Radrennen Milano-Sanremo (2005-07) auch jetzt links das Meer und rechts die steil abfallenden Felsen. Finale Ligure ist mir zu voll, so fahre ich weiter nach Pietra Ligure: Die Piazza San Nicolo di Bari mit der Kirche San Nicolo im Hintergrund beeindruckt mich; so rolle ich durch den Ort und Radfahrer in einem Restaurant lassen mich umkehren, um ebenfalls zum Mittagessen einzukehren. Ich bin ja auf bici vacanza, nicht corsa bici;-) Ich folge der Küste weiter dem Rennverlauf von damals; ab San Lorenzo al Mare - ich erinnere mich - folge ich dem - in unterschiedlichen Stadien fertig gestellten - Radweg auf der alten Bahntrasse an der Küste. So erreiche ich Sanremo und beziehe - fälschlicherweise, da ich mich in der Tür geirrt habe - mein Zimmer in der Albergo/Locanda Beatrice (Blick vom Balkon) statt im Hotel/Albergo Malibu: ... noch etwas günstiger, nur mit Barzahlung und "Die Vermieterin Rosa war sehr freundlich." (Zitat aus dem Internet)! ... später dazu mehr:-) Vor dem Abendrundgang fasziniert mich die Spiegelinstallation im Eingangsbereich. 127 Ø 22,7 (5:35) 882 Hm 4-20°C 50 EUR ∑ 474

Tag 5: Ruhe- bzw. Regentag in Sanremo

Freitag, 7.4. Das Wetter in Sanremo an der Küste ist tadellos! Dennoch lege ich einen Ruhetag ein; denn es ist gleichzeitig auch ein Regentag: Eigentlich will ich heute in die französischen Seealpen aufbrechen, doch in den Bergen im Hinterland hängen dicke, schwarze Wolken:-| So mache ich aus der Not eine Tugend und bummel durch Sanremo (Rosa bereitete mir bei der Verlängerung des Zimmers um eine Nacht aber Kopfzerbrechen; eine liebenswürdige ältere Frau, welche wirklich nur italienisch spricht und scheinbar immer auch der Suche nach Zigaretten scheint, da ihr die Besitzerin das Rauchen in der Albergo verbietet. Sie hätte kein Zimmer mehr frei, schickt mich zur Albergo ggü., dem Hotel Malibu auf gleichem Flur, der aber completo signalisiert:-( Doch zurück bei Rosa winkt sie ab, telefoniert mit der Besitzerin und ich kann doch in meinem Zimmer bleiben: Zentral gelegen und auch ohne Frühstück den Preis wert!): Zuerst sehe ich mir die Villen Nobel und Ormond an, letztere in einer Art Botanischem Garten (Giardini di Villa Ormond) (STEREO) mit allerlei exotischen Pflanzen (STEREO). Im Park steht auch eine Art großer Pavillion, in dem damals die abschließende Veranstaltung des Rennens Milano-Sanremo stattfand: Hier hatten wir damals einen Pokal in der Mannschaftswertung gewonnen (2006, den ich als schnellster Concordianer in Empfang nehmen durft; links Philipp, der 2007 dann Schnellster war, "il piccolo", ein damals aufstrebendes Talent), der dann unseren Tisch schmückte, und gemeinsam gegessen (2007). Anschließend mache ich mich auf in die historische Altstadt La Pigna, die Keimzelle Sanremos aus dem Mittelalter [28.4.23], mit ihren schmalen und verwinkelten Gassen, torartig überdeckten Durchgängen und kleinen lauschigen Plätzen. Hinunter Richtung Casino komme ich nochmals an einer schönen Villa aus dem Jugenstil vorbei. Und nach dem Abendessen nehme ich als Digestif einen Vecchio Amaro del Capo an der Bar des Kino Teatro Ariston [28.4.23] mit seiner originalen Ausstattung aus den Jahren 1953-63. 50 EUR

Tag 6: Die französischen Seealpen

Samstag, 8.4. Bevor ich Sanremo verlasse, kann ich nicht an dem "Blick in die Unendlichkeit" vorbeigehen (Detail). Kurze Zeit später erlebe ich einen anderen "Blick in die Unendlichkeit": Der Radweg auf der Bahntrasse verläuft duch einen endlos scheinenden Tunnel; man beachte die Fahrbahnmarkierungen in Farbe Giro-Rosa:-) Dann endet der neue Bahntunnel im Berg und wir müssen auf die Küstenstraße ausweichen; passend ergibt sich die Möglichkeit für ein erstes Frühstück. In Ventimiglia biege ich in's Tenda-Tal ab und ...

Frankreich

... nach Breil-sur-Roya mit einem zweiten Frühstück - hier der Rückblick in's Tal auf den Ort - mache ich mich an die Auffahrt zum ersten Paß mit Rückblick in die Berge (STEREO). Nach den recht unspektakulären Col de Brouis (879 m) - die Auberge du Col de Brouis ist geschlossen und steht zum Verkauf - und Col de Perus (654 m) erreiche ich das 'Pässezentrum' Sospel: Ich habe diese erste Bergetappe mit Vorsicht geplant, komme besser voran als gedacht; denn bis Sospel als Etappenziel sind es nur noch 24 km. Also Pause auf dem zentralen Platz mit viel Sonne und einem Sandwich au fromage avec verre rouge:-) ... no corsa bici, bici vacanza! Die Paßstraßen hier sind so gut wie autofrei! So auch der folgende finale Anstieg zum Col de Turini: Ein herrlich enges Tal, vielfach gewunden, mit tollen Felsformationen entlang der Grenze zum Parc national du Mercantour [28.4.23.]! Am Hotel Le Ranch [28.4.23] komme ich schon recht früh an und nutze die vereinzelten Sonnenstrahlen - bei frischem Wind auf 1.604 m Höhe! - noch draußen mit Blick in die umliegenden Berge; hier esse ich dann auch, als eiziger Gast, zu Abend. 90 Ø 16,5 (5:30) 2.349 Hm 9-22°C (10/20°C) 75 EUR ∑ 564

Tag 7: Weiter nach Westen, zwischen Piemont und Provence

Sonntag, 9.4. Das Frühstück ist nett in der Gaststube hergerichtet, bei bestem Wetter verlasse ich das Hotel am Paß, für die Abfahrt packe ich mich warm ein, perfektes Wetter erwartet mich auch in Roquebilliere! Die Abfahrt und die Landschaft sind traumhaft schön (STEREO)! Nach Lantosque folge ich der Vesubie weiter flußabwärts; am Ende passiere ich die Gorges de la Vesubie. Anschließend folgt der Defile du Chaudan (STEREO): Alleine hier auf dem kurzen Stück der M 6202 war auch wegen Baustelle der Verkehr dichter. Doch ich folge bald dem Tal der Tinee (STEREO) und kehre vor dem nächsten Paß zum Mittag in St-Sauveur-sur-Tinee ein im Hotel Au Relais d'Auron ggü. dieser schönen Fassade. Doch dann ist Schluß mit Lustig: Erste Wegweiser künden die Route des Grandes Alpes an, ich folge der Grand Tour (Alpi Marittime-Mercantour [28.4.23]: "I Parchi delle Alpi del Mediterraneo" Hier heißt es: "Tinee ist ein Tal starker Kontraste und schneller Landschaftswechsel, mal mediterran und mal alpin. Eine Kreuzung der Klimazonen und Kulturen, eingebettet zwischen der Provence und dem Piemont"). Ja, ich befinde mich mitten drin im südlichen Bereich, dem Vorland der Seealpen im eigentlichen Sinne [28.4.23] (Landkarte; Quelle) [28.4.23]! So zweige ich ab Richtung Col de la Couillole: Die Steigung ist aber moderat, nur eben mit 16 km - im 1. Gang! - recht lang. Auch hier: Tolle Landschaft mit Blick auf den Ort Roubion, den ich später noch passiere! Der Paß oben ist ist mit 1.678 m zwar die höchste Erhebung meiner Tour, doch recht ... übersichtlich:-| Die Auberge Quintessence [28.4.23] hat gegen den ersten Anschein offen und ich kann mich mit der Hausspezialität stärken: Brot in Caramel! In der folgenden Abfahrt geht es direkt in die obere Schlucht des Cians: Die alte Strecke ist Wanderern und Radfahrern vorbehalten. (STEREO) Kaum vorstellbar, daß hier früher Autoverkehr stattfand! Der Zustand ist aber z.T. instandhaltungswürdig:-| Die Farbigkeit des Gesteins und Wegeführung durch die Schlucht ist einzigartig! (STEREO) Aber etwas später steht der untere Teil der Schlucht (STEREO) dem oberen an Spektakulariät nichts nach (STEREO) ..., bis ich die Schlucht dann verlasse im Tal der Var (Rückblick). Nach kurzer Strecke auf der D 4204 erreiche ich meinen heutigen - etwas unspektakulären - Zielort Puget-Theniers. Alleine das Abendessen im Au bon coin [12.5.23] war eine Wucht: Fast nebenan wurde es mir im Hotel schon empfohlen; und nach dem Bummel durch die Cafes der Stadt kam ich schnell, da hungrig, zurück ... und bekam den letzten freien Tisch, da es ausreserviert war (scheinbar das einzige Restaurant im Ort:-) Die Damen kümmerten sich rührend um mich als ahnungslosem Gast; ein unvergeßlicher Abend! 123 Ø 20,8 (5:55) 1.808 Hm 4~9,9°C (20~25~35°C)~12~23°C 87 EUR ∑ 687

Tag 8: Flache Etappe zum Erholen

Eigentlich wollte ich ja nur in Italien Radfahren; doch die Regenwahrscheinlichkeit um Genua und in der Barolo-Gegend veranlassen mich, immer weiter gen Westen zu fahren: Die Langfristwettervorhersage für Nizza ist einfach zu gut:-) ... gestern recherchiert. So fahre ich heute weiter nach Westen in die Provence ... Montag, 10.4. Der Verkehr ist immer noch kaum der Rede wert (Ostermontag). Nach kurzer Fahrt passiere ich Entrevaux mit seiner stark befestigten Zitadelle hoch oben ..., die ich mir aber schenke:-) Ein paar Kilometer flußaufwärts - eigentlich nichts mit "flache Etappe zum Erholen"! - fahre ich kurz vor Annot am Viaduc de la Donne von 1908 vorbei (STEREO). Den Paß Col de Toutes Aures (1.120 m) hatte ich scheinbar übersehen: Denn immer weiter hinauf (Rückblick) fahre ich durch die Gorges zum Paß. Nach einer kurzen Abfahrt - ja, heute ausnahmsweise auch mal Gegenwind! - erreiche ich den Lac du Castillon (STEREO). In St-Andre-les-Alpes entscheide ich mich für eine Mittagsrast, über den Paß Col des Robines (988 m) verlasse ich den Parc naturel regional du Verdon und folge wenig spektakulär dem Fluß Asse nach Bras-d'Asse, wo ich auf eine Nebenstraße abzweige: Jetzt erwarten mich ausgedehnet Lavendelfelder (Rückblick auf die Nebenstraße, rechts) und Rapsanbau (STEREO), der intensiv in die Nase geht. Mit einem kleinen Schlußanstieg aus dem Tal der Durance hinauf nach Manosque erreiche ich das Hotel du Terreau [29.4.23] nahe der Altstadt. Diese wirkt an diesem Feiertag etwas sehr verlassen, und auch etwas heruntergekommen:-| Durch die Porte du Soubeyran von 1830, eines der Stadttore, bummel ich nach dem Abendessen und dem Digestif durch die Altstadt zurück zum Hotel. 127 Ø 21.7 (5:52) 1.367 Hm 62 EUR ∑ 814

Tag 9: Über Aix an die Küste nach Marseille

Entgegen ersten Überlegungen fahre ich jetzt doch recht direkt nach Marseille, um etwas mehr Zeit in der Stadt zu haben; nur eine Nebenstrecke Richtung Montagne Ste-Victoire bleibt im Programm und selbst die schöne Abfahrt auf der D 908 hinunter nach Marseille (Auffahrt in 2006) streiche ich. Dienstag, 11.4. An der Durance passiere ich eine steile Felsflanke, über der lärmend reichlich Vögel kreisen (die dort scheinbar nisten?) und mein Gios kontrastiert farblich gut mit den ockerfarbigen Felsen! Etwas späte erreiche ich nach der Überquerung der Durance ein komisches architektonisches Ensemble: Die Reste der Pont de Mirabeau mit (rechts) der Kapelle Ste-Madeleine (12. Jh.) (mit wechselvoller Geschichte) [29.4.23]. Auf einer hügeligen Nebenstrecke geht es für mich zuerst nach Jouques für eine Mittagspause und weiter mit einer klasse Auffahrt in die Montagne de Ubacs, "einen der westlichsten Ausläufer der Seealpen" [29.4.23] und Vorgebirge der Montagne Ste-Victoire, die im Gesamtwerk Cezannes [29.4.23] eine große Bedeutung spielt. Vorbei am Chateau du Grand Sambuc erreiche ich den Col du Grand Sambuc mit Höhe 615 m (STEREO) mit der Montagne Ste-Victoire im Hintergrund; durch die nette aber kurze Gorges de l'Infernet und über die D 10 gelange ich nach Aix en Provence: Hier fahre ich durch die angenehm belebte Altstadt - klar: Bei bestem Wetter! - direkt zum Cafe Le Grillon [29.4.23] am Cours Mirabeau und genieße die belebte Atmosphäre zu einer Verschaufpause mit SANDWICH CHÈVRE CHAUD, TAPENADE und VERRE ROSE. Hier verweile ich, will schon gar nicht mehr weiter ..., doch nach einem Blick in das Obergeschoß des Cafes ruft das Etappenziel Marseille! Die 'Abkürzung' direkt nach Marseille erweist sich als erstaunlich angenehme Strecke; zumal sich auch im Einzugebereich der Verkehr starkt in Grenzen hält! Nach dem Bezug des Hotelzimmers in der Rue de Forbin (La Joliette) erkunde ich das Viertel Le Panier, sehe mir die Vieille Charite von um 1700 an, welche aber auch die Obdachlosen - gerade in der Zeit der Pest 1720/21 - aus den Straßen Marseilles entfernen sollte. Nahe dabei steht dieser Wohnblock, der nach der Sprengung eines Teils der Altstadt zwischen 1942 und 1944 durch die deutsche Besatzung in den 1969/1970er Jahren gebaut wurde. Unterhalb gelange ich zum alten Rathaus direkt am alten Hafen. Auf dem Weg zum Abendessen passiere ich eine improvisierte Sundowner-Location mit traumhaftem Blick über Palais du Pharo, den Vieux Port und das Fort Saint Jean! Im Hintergrund die Hügelkette Chaine de L'Estaque. Abends finde ich mich frühzeitig am Port du Vallon des Auffes ein und ergattere einen Tisch im Restaurant Chez Jeannot: Das Licht der schon tief stehenden Sonne bricht unter den Brückenbögen noch herein; das Restaurant Fonfon rechts ist bekannt aus dem Film The French Connection [29.4.23] von 1971. Anschließend versinkt die Sonne im Meer und beim Bummel an der Küste zurück in die Stadt liegen die Inseln mit Chateau d'If vor malerischem Himmel, das alte Hotel Peron blickt auf's Meer, der Plage des Catalns leert sich und der etwas versteckte Zugang zum Le Panier liegt verwaist. 96 Ø 21.7 (5:25) 1.028 Hm 10~20/22/24°C (~35°C) 75(?) EUR ∑ 910

Tag 10: Beginn der Rückreise

Heute: Point of no return! Ich habe mit Marseille meinen westlichsten Punkt der Radtour erreicht; jetzt muß ich irgendwie Richtung Mailand oder Lago Maggiore zurückkommen. Etwas Kopfzerbrechen bereitet mir, daß der Hinweg von viel - zum Teil sehr starkem - Rückenwind geprägt war. Was erwartet mich jetzt? Die Windrichtungssymbole in der franz. Tagespresse lassen mich aber hoffen ... Mittwoch, 12.4. Und so starte ich auf der Küstenstraße schon mit Rückenwind:-) Ein kleines Frühstück lege ich ein bevor ich Marseille verlasse, erklimme den Col de la Ginestre (327 m) und schnell erreiche ich Cassis. Hier entscheide ich mich für die Route des Cretes, die heute nicht wegen starken Windes gesperrt ist (was sie z.B. in 2019 war): Eine Panoramastraße von 1969 mit Ausblicken auf die Küste der Calanques (Buchten) von hohen Klippen herab. Es geht bis auf fast 400 m hoch, allerdings vom Meeresniveau, was ich vergessen hatte: Die steile Auffahrt erreicht dabei eine Steigung von über 20 %! Aber ich beiße mich durch, nur nicht zu früh aufgeben, das würde ich mir nicht verzeihen, denn die Steigung nimmt bald ab ... Und in der Tat sind in der Michelin-Karte 3 Steigungspfeile verzeichnet! Traumhafte Abfahrt - auf der mir jede Menge Rennradfahrer entgegen kommen, dann schnell durch die Hafen- und Industriestadt La Ciotat mache ich mich zuerst an der Küste (im Hintergrund La Ciotat) auch nach Bandol. Der Küste folge ich weiter über Sanary-sur-Mer und auf einer netten gewundenen Nebenstraße über die Halbinsel Cap Sicie schon mit Blick über die Küste nach Toulon; hier pausiere ich am Hafen mit eigenwillig erscheinender Architektur: La Frontale du port de Toulon [2.5.23] (hier Photos dazu) [2.5.23] von Jean de Mailly. "Im Zweiten Weltkrieg wurde die Front des Hafens, der damals wie heute militärischen Zwecken diente, zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte weder als Rekonstruktion noch in einer radikal modernen Architektursprache: Die in den 1950er-Jahren erstellten Zeilenbauten aus vorfabrizierten Betonelementen heben sich zwar von der Blockstruktur der historischen Stadt ab, doch ihre feingliedrigen Fassaden und ihre Farbigkeit verbinden sie mit dem Bestand." (Quelle) [2.5.23] Alles erinnert mich ein wenig an die Unite d'habitation - Cite radieuse von Le Corbusier in Marseille von 1947; und es wird auch hier von der Unite d'habitation de Toulon gesprochen (1953/54). Mit einem Blick die Hafenfront entlang verabschiede ich mich und folge der Küste gen Osten bis ich auf einen Radweg auf einer alten Bahntrasse stoße und ihm nach Hyeres-Plage folge. Hier finde ich nach etwas Suchen ein halbwegs bezahlbares Hotel ("An der Küste sind die Zimmerpreise halt etwas höher ...") und nutze die Annehmlichkeiten einer gutsortierten Hotelbar beim Schreiben der Postkarten;-) Da ja das Strandleben nicht so mein Ding ist, bummel ich nur zum touristischen Zentrum im Hafen und wähle das Restaurant Brasserie Le Tocco aus einer Vielzahl aus: Durch die klassische Einrichtung wirkte es sofort einladend; abschließen tut das Essen ein Cafe Gourmand. 119 Ø 19,2 (6:11) 1.029 Hm 16-22-18°C 116 EUR ∑ 1.029

Tag 11: Mein letzter Tag an der Küste

Donnerstag, 13.4. Ich schiebe die Tür meines Zimmers auf und gehe zum Frühstück: Ja, die Lage hat schon was, direkt am Meer halt:-) Doch bald schon wartet mein Gios auf die Abfahrt. An der Küste entlang - schnell mit reichlich Rückenwind - passiere ich noch dieses architektonische Kleinod, bevor ich in La Londe-les-Maures wieder auf einen Radweg (ab La Verrerie eine ehem. Bahntrasse?) wechsele: Piste Cyclable Toulon Sainte-Maxime [2.5.23] Diesem werde ich mehr oder weniger bis La Croix-Valmer folgen. Allerdings ist er zwischendurch noch im Bau, so daß ich teilweise auf die Straße ausweichen muß. Besonders reizvoll - weil abseits der Straße - mit interessanter Wegeführung und Ausblick über das Meer trotz z.T. nichtasphaltierten Teilstücken und etwas hanebüchenen Sperrungen gerade bei Tunneldurchfahrten, die man dann doch passieren kann, zwischen Le Lavandou und Cavalaire-s-Mer! Mittags erreiche ich Sainte-Maxime passend zur Pause am Hafen. Jetzt wieder auf der Küstenstraße reicht der Blick die Küste entlang bis zum Massif de l'Esterel. Vor St-Raphael Boulouris entscheide ich mich gegen das schon pittoresk an der Küste (links) gelegene Restaurant Les Paillottes [2.5.23]; mir stecken noch die 1:30 h von gestern für einen Omlette in St-Cyr-sur-Mer (Nouveau Port des Lecques: Good Mama) in den Knochen:-| Vielleicht nächstes Mal ...? So strebe ich den Ausläufern des Massif de l'Esterel am Meer entgegen: Spektakulär verläuft die 1903 eröffnete Corniche de l'Esterel ("The Corniche d'Or, or Corniche de l'Estérel, was inaugurated in 1903 at the instigation of the Touring Club de France. This magnificent road bordered by the turquoise Mediterranean waters and the red rocks of the Estérel massif links Saint-Raphaël to Cannes." [2.5.23] Quelle) [2.5.23] und kreuzt hier mehrfach die (TGV-)Bahnlinie! Etwas später ergibt sich dann schon der Blick die Küste entlang auf Cannes und die dahinter liegenden Seealpen (STEREO mit Vegetation)! Dank gigantischem Rückenwind rase ich die Küstenstraße entlang auf Cannes zu, meinen heutigen Zielort: Und nein, ich nächtige nicht im Carlton Hotel, sondern etwas günstiger in der Stadt (Hotel Hoche) [2.5.23] Ich merke an den Preisen ansonsten aber sofort, daß die Stadt etwas auf sich hält. Doch die Pizzeria La Pizzaiola "Chez Xavier" [2.5.23] abends ist ok (Schon vom Namen her eine italienisch-französische Mischung; vielleicht ein Hinweis auf meine Etappe morgen?); hier wird mir gerade der Cafe Gourmand gebracht. Abends der Weg zurück zum Hotel ist kurz; das Hotel in der Rue Hoche - wenn auch ohne mit Meerblick - eine gute Wahl. 129 Ø 22,6 (5:44) 1.240 Hm 15~20/22°C 60 EUR ∑ 1.158

Tag 12: Wieder hinein in die französischen Seealpen

Freitag, 14.4. Für das Frühstück gibt es in der Rue Hoche schon ein Cafe mit Plätzen draußen in der Sonne ..., an dem ich unverständlicherweise zuerst vorbei fahre:-) Und weiter geht es mit kräftigem Rückenwind am Meer mit Blick auf die Seealpen. Auf den gut ausgebauten Radwegen - nur unterbrochen durch ein zweites Frühstück vor Nizza - durchquere ich die Stadt, hier mit teilvergoldetem Zugang zur Altstadt (STEREO). Nach der Ausfahrt aus der Stadt läßt der Verkehr zwar nach, doch ich entscheide mich für eine Nebenstraße vorbei an Peillon nach L'Escarene, wo ich die ersten Höhenmeter in den Beinen habe und eine Pause beim lokalen Bäcker einlege; Kaffee gibt es leider nur in Wegwerfbechern ..., also nicht für mich. Es folgt jetzt die Auffahrt für den ersten Paß heute: Landschaftlich toll mit wenigst Verkehr (im Hintergrund links das Meer!) erreiche ich den Paß Col de Braus (1.002 m) ohne Infrastruktur:-| So fahre ich direkt hinunter - vorbei am Bauwerk B4 des Ouvrage de Saint-Roch [7.5.23] der Maginot-Linie (Alpin-Linie) [7.5.23] - nach Sospel: Hier mache ich wieder Pause in der Bar Sas Le Zebre wie einige andere Fahrradfahrer auch ... Für die Weiterfahrt wähle ich den kleinen Paß Col de Vescavo (477 m); den Col de Brouis (879 m) bin auf der Hinfahrt ja schon gefahren. Eigentlich sehr nett diese kleine Straße ganz ohne Verkehr: Doch nach der Auffahrt in Richtung Col de Brouis und dem Abzweig geht es zu meiner Verwunderung bergab! Das regelt sich aber im Verlauf der weiteren Fahrt und am Paß überquere ich die Grenze nach Italien ..., aber nur kurzzeitig: Die Abfahrt führt mich in's Tenda-Tal, dem Fluß folge ich nach Norden wieder nach Frankreich. In Breil-s-Roya mache ich diesmal ganz entspannt Pause im Dorf-Cafe Le Biancheri bei Kuchen und einem Glas Wein: Es sind nur noch gut 15 km heute. Dort habe ich das Hotel Le Prieure in's Auge gefaßt: Für mich hört es sich wie der "Vorsteher eines Klosters" an, der Prior (später mehr dazu) ... Zuerst richte ich mein Augenmerk aber auf den Zug, der sich das Tal entlangschlängelt (links oben): Denn ab und zu passiere ich einen Hinweis dem ich entnehme, daß der Colle di Tenda gesperrt sei! Vor Sonnenuntergang erreiche ich meinen Zielort St-Dalmas-de-Tende und das Hotel Le Prieure [7.5.23]: Und in der Tat ist es in einem alten, renovierten Kloster untergebracht! Vor dem Abendessen erhasche ich mit anderen Gästen noch die letzten Sonnenstrahlen im Garten, bevor das Menü - im Gegensatz zu früher im Refektorium mit seiner Gewölbedecke mit Blick in den Innenhof mit Olivenbaum - in der ehemaligen Kapelle serviert wird. Vielleicht ein Relikt aus tiefster Corona-Zeit, weil hier mehr Abstand möglich war? 118 Ø 19,1 (6:11) 1.989 Hm 14/16~20/22°C (35°C) 76 EUR ∑ 1.276

Tag 13: Auf der Grenze zu den Ligurischen Alpen hinab in's Piemont

Die italienische Bahn spuckte mir gestern schon Verbindungen nach Limone Piemonte aus: Der Zug direkt von St-Dalmas-de-Tende um 7:30 Uhr war mir zu früh; denn Frühstück gab es erst ab 7:00 Uhr. So will ich den ab Tende um 8:40 Uhr erreichen, der aber nicht in St-Dalmas-de-Tende hält ..., denn ich will die Berge verlassen, es ist ein Wetterumschwung angekündigt (später mehr dazu ...) Samstag, 15.4. Zum Frühstück finde ich mich pünktlich ein, bei der Abfahrt sind es gerade mal 2°C, die knapp 5 km mit 150 Hm nach Tende fahre ich umso schneller. Nach kurzer Zeit am Bahnhof - am Fahrkartenautomat kann ich keine Fahrkarten im grenzüberschreitenden Verkehr kaufen, gottlob - läuft der Zug schon ein: Er pendelt scheinbar zwischen Tende und Limone Piemonte. Das Fahrrad kann ich komfortabel verstauen und der Schaffner läßt sich die kurze, wenn nicht im Tunnel atemberaubende, Fahrt nicht mehr blicken:-)

Italien

Es ist ja früh am Wochenende, so ist weder in Limone Piemonte noch auf der Straße SS 20 in der Abfahrt viel los; klar, die Überfahrt nach Frankreich ist ja auch gesperrt: Bei 8°C starte ich warm eingepackt! In Borgo S. Dalmazzo ca. 400 m tiefer ziehe ich mich schon um: Kurz / kurz:-) Etwas später erreiche ich Cuneo, finde aber auch am Bahnhof keine deutsche Tageszeitung für den mutmaßlichen Regentag. Den Zufluß Gesso des Flusses Stura, dem ich jetzt flach folgen werde, überquere ich mit einem spektakulären Alpenpanorama! Auf unbefahrenen Nebenstrecken finde ich in Castelletto Stura keine Bar, werde aber in Sant'Albano Stura fündig für eine Pause in der Bar Ellena. Das Wetter ist immer noch prächtig, wie ein Blick über die Schulter zurück zum Alpenkamm zeigt. Doch um 12 Uhr mittags zieht es sich - wie versprochen - langsam zu: So erreiche ich nach 20 km Narzole mit einem Blick über das Tanaro-Tal in die Langhe (ganz links Novello) schon stark bewölkt:-( Sollte es heute wirklich regnen? Ich gebe etwas Gas, erreiche mein Lieblingsrestaurant in Barolo aber wieder bei Sonne: Nach der Begrüßung durch Maurilio speise ich draußen vor dem Restaurant etwas ausgehungert fürstlich: Uovo in pasta, Risotto con Asparagi, Coniglio, panna cotta & 3 Glas Wein & Cafe al banco! So gestärkt mache ich mich mit aufziehenden Wolken auf zum Hotel Barolo: Die Freude über das Wiedersehen ist groß (ich hatte mich mit 'Arrivo con Gios bici.' angekündigt) und den 'Brezza-Moscato' zur Ankunft nehme ich auf der Terrasse vor bedrohlicher Kulisse! Und in der Tat: In den Seealpen um Tende hängt der Regen mit Gewitter genau wie die Regenwolken an Barolo heranreichen. Doch es tröpfelt nur kurz und unwesentlich, so daß ich vor dem Abendessen im Hotel Barolo schon wieder einen Rundgang zum Schloß machen kann, welches ich mit einer Besonderheit abschließe: Zabaglione al Barolo con torta di nocciole! ... wo doch die Zabaglione meine Leibnachspeise ist - nach oder sogar vor der Panna cotta, welche ich bisher nur in der Schweiz (Biasca), Österreich (Feldkirch) und Deutschland (Frankfurt im Das Leben ist schön) [10.5.23] bekommen habe: Jetzt also auch in Italien:-) Apropos Frankfurt: So langsam rückt die Rückfahrt näher und während sich das Wetter dort ab meiner Ankunft am Mittwoch, 19.04. zu bessern scheint, sieht es für Mailand eher übel aus ab Donnerstag:-| Ich liebäugele daher lieber mit einer Rückfahrt ab Stresa oder Domodossola ..., später mehr dazu. 89 Ø 24,0 (3:42) 551 Hm 2/8~20/22°C 80 EUR ∑ 1.365

Tag 14: Aktiver Ruhetag in der Langhe

Nach dem 'trüben' Tag gestern will ich nur eine ganz kleine Runde durch die Langhe drehen, es zieht mich doch langsam zum Ende der Reise ... Sonntag, 16.4. Nach dem Frühstück ein Blick hinüber zum Schloß: Bestes Wetter! Von Barolo (darüber im Hintergrund La Morra) führt mich die kleine Runde mit Alpenblick - wo auch dieses Spiegelbild entsteht und ein STEREO-Photo hinüber nach Novello (mit Mt. Viso direkt im Hintergrund) - nach Monforte zum 'Autisten' (der aber nicht im Bild ist). Dann die tolle Strecke hinunter nach C.F. zu Bar La Terrazza [10.5.23] mit Blick zur Burg: Fabrizio ist schon da, Renza kommt einen Aufgenblick später. Ich nehme als 2. Frühtstück oder frühes Mittagessen eine gemischte Platte ... Dann geht es schon weiter hinunter, schnell erreiche ich Alba, sehe daß das Hotel Savona immer noch Baustelle ist und am Sonntag Vormittag auf der Piazza Michele Ferrero die Hölle los ist; so fahre ich mit Blick auf den alten Bahnhof - durch Barbaresco, überquere das Tanarotal, folge etwas lustlos der Hauptstraße, bevor ich dann doch auf hügeligen Nebenstrecken durch Govone und S. Martino Alfieri (hier kreuzt sich meine Route) Asti erreiche. In Asti mache ich einen Stadtbummel laut Stadtplan (mit scheinbar einer Eröffnung im Teatro Comunale Vittorio Alfieri [10.5.23] und Besichtigung der Collegiata di San Secondo) der an der Chiesa di San Martino endet nahe der Pizzeria Roero, wo ich zum Abendessen einkehre ..., und es später mit Einhemischen noch sehr voll wird. Auf dem Weg zurück zu meinem klassischen Hotel Cavour [11.5.23] gegenüber vom Bahnhof erstrahlt das Municipio (Rathaus) in den Nationalfarben neben der Chiesa di San Secondo. 71 Ø 20,8 (3:25) 907 Hm ~44°C (12/16°C) 80 EUR ∑ 1.436

Tag 15: Gegenwind? Ach nö ...

Montag, 17.4. Die Ausfahrt aus der Stadt Asti am Montag Morgen ist nicht schön; zumal ich die vielbefahrene alte Straße statt der neuen gewählt habe:-| Erst hinauf nach Moncalvo - wo ich die erste Pause des Tages mache - läßt der Verkehr nach ..., die Landschaft des (nödlichen) Monferrato (in blau) [11.5.23] aber ist traumhaft schön (rechts das Castello di Moncalvo, hier die Stützmauern und Auffahrt dazu)! In rasanter Fahrt geht es hinunter und dank Rückenwind mühelos weiter nordwärts, bis ich im verschlafenen Pontestura (STEREO) kurz vor dem Po ostwärts abbiege (STEREO) das Monferrato hinunter in die Poebene auf Casale Monferrato zu. Hier empfängt mich der Mercato Giuseppe Pavia (MCMVII = 1907) mit altem Tor aus dem Jugendstil und dem COCO Caffe Bistrot: Die Küche ist schon offen, so esse ich Pasta und probiere die Kulinarische Spezialität aus Moncalvo [11.5.23], einen Barbera del Monferrato des Winzers Agricola Sulin [11.5.23]; sehr lecker! In der Stadt schaue ich vor der Abfahrt noch bei diesem Palast vorbei, überquere den Po, durchquere endlosen Reisanbau (mit den wolkenverhangenen Alpen im Hintergrund), passiere die aufgelassene Ente Nazionale Risi (STEREO), erreiche Robbio (STEREO) mit dem Consorzio Agrario Provinciale di Pavia und der Agenzia di Robbio Lomellina und entscheide mich in Terdobbiate, nicht gegen den Wind in's zuerst avisierte Vigevano zurückzufahren, sondern den Wind im Rücken für die Fahrt - auf Umwegen - nach Novara zu nutzen:-) Hier ist das erste Hotel zu teuer und das zweite voll; die ****- Albergo Italia direkt an den alten römischen Stadtmauerresten ist preislich ok, hat aber schon bessere Zeiten gesehen. Auf meinem Stadtrundgang sehe ich mir die beiden auf Wikipedia gelisteten Sehenswürdigkeiten der Stadt an: Die Cattedrale di Santa Maria Assunta (STEREO) und die Basilika San Gaudenzio von 1888 mit ihrer 121 m hohen Kuppel, dem Wahrzeichen Novaras [11.5.23], welches ich bei der Anfahrt schon von weitem gesehen habe. War da auch ein Abendessen? Eigentlich nicht: Ich gehe erst an der überaus lärmenden Brace Bar vorbei, kehre aber bald um, da heute am Montag die Stadt fast wie ausgestorben ist. Zum Glas Wein gibt es - fast wie üblich - ein Tagliere dazu, ein Holzbrett voller Appetithappen: Pizzastücke, Brot, Käse und Salami. [11.5.23] Hier ist das aber so reichhaltig, daß ich es kaum aufkriege und so auf's Abendessen verzichte(n muß) ..., für 5 EUR inkl. Wein: Ein Geheimtipp! 105 Ø 21,5 (4:53) 634 Hm 9~21/23~30°C 64 EUR ∑ 1.541

Tag 16: Das Ende der Reise naht

Wie sich vor ein paar Tagen schon für (den möglichen Rückfahrtort) Mailand abgezeichnet hat, bewahrheitet sich das auch für Stresa (beim ECE unterscheidet sich der Zuglauf für Hin- [12.5.23] und Rückfahrt [12.5.23] außerhalb Deutschlands völlig; so kann ich direkt nicht von Bellinzona zurückfahren): Am 19.4. will ich abreisen; am 20.4. ändert sich das Wetter hier schlagartig! Ich habe also beschlossen, heute an einem möglichen Abfahrtsort zu übernachten und halte mir die Halbtagestour nach Domodossola noch offen ... Dienstag, 18.4. Nach dem Frühstück nutze ich den verbliebenen Rückenwind zur Anfahrt zum Ticino auf Turbigo. Vorher schon folge ich dem Naviglio Grande fälschlicherweise, kriege aber die Kurve um noch in der Binda Bici Bar bei Nosate einkehren zu können für ein zweites Frühstück, ein wahrer Treffpunkt für Rennradfahrer und Fans der gepflegten italienischen Ausfahrt [12.5.23]! Dann folge ich dem Radweg am Canale Industriale zum vermeintlichen Ende des Kanals (Rückblick über die Centrale Idroelettrica di Vizzola Ticino) und weiter am Ticino zur Bar Canottieri 6 [12.5.23]; doch die hat heute leider geschlossen: Ruhetag! Was ein Ärger:-( Egal, ich folge dem Ticino weiter auf einer ruhigen Nebenstraße ohne Verkehr und erreiche den schönen Ort Sesto Calende: Hier hole ich die Pause nach. Über die Doppelstockbrücke (links im Bild) fahre ich auf die linke Seite des Lago Maggiore auf Arona: Hier ist es mir etwas zu touristisch (im Gegensatz z.B. zur Bar in Casale Monferrato) und ich genieße nur den Blick über den See hinüber nach Angera ..., bemerke aber schon die Wolken, die sich über dem Alpenhauptkamm zusammenziehen:-| Auch egal, es ist nicht mehr weit auf der Uferstraße nach Stresa, hier habe ich ein Zimmer vorgebucht im Hotel Fiorentino [12.5.23], wo ich sehr zuvorkommend behandelt werde! (Mehrfach habe ich jetzt schon erlebt, daß - seit Hotels bei großen Buchungsportalen nicht mehr den günstigsten Preis anbieten müssen - der Zimmerpreis direkt beim Hotel 20~30 % unterhalb des Preises der Buchungsplattform liegt. So suche ich komfortabel mittels Kartendarstellung beim Buchungsportal, buche direkt beim Hotel und spare mir die Mondpreise für besonders bequeme und getriebene Zeitgenossen. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel: Nacht 1 in Sitges und Nacht 2.) Aber vorher kehre ich noch - ich habe wirklich Zeit und wiederhole gerne: No corsa bici, bici vacanza! - in der LOV Lounge Beach [12.5.23], einer Minigolf-Anlage direkt am Lago Maggiore, ein. Ja, die Wolken verdichten sich ..., und später in Stresa scheint zwar die Sonne, ringsum in den Bergen gehen aber heftige Regengüsse nieder. Nach einem Blick in's Regenradar entscheide ich mich gegen eine Weiterfahrt morgen mit dem Rad nach Domodossola; ich will die Reise lieber in Ruhe hier ausklingen lassen. Den Nachmittag verbringe ich größtenteils in der Bar im Bahnhof, auch um die letzten Postkarten zu schreiben; leider hat das Restaurant dort gerade heute Ruhetag: Aber das kenne ich ja schon:-) Am Abend organisiere ich im Zeitungsladen neben dem Hotel noch, daß man mir am nächsten Morgen eine FAZ für die Rückfahrt zurücklegt. 75 Ø 21,4 (3:29) 291 Hm 15-20/22°C 67 EUR ∑ 1.616

Tag 17: Ruhevormittag und Abreise

Mittwoch, 19.4. Heute lasse ich mir beim Frühstück Zeit, hole die FAZ ab und fahre ganz in Ruhe zum Bahnhof, der Zug geht erst 12:20 Uhr: Hier genieße ich nochmals die Atmosphäre in der Bar [12.5.23], schreibe die allerletzten Postkarten und erwarte ganz entspannt die Ankunft des ECE aus Mailand. In Italien und der Schweiz ist der Zug schon sehr gut gefüllt, ich bekomme aber einen Platz, von dem ich mein Rad (verpackt am Haken) immer im Blick behalten kann. Ganz wichtig, denn in Deutschland, als sich der Zug allmählich leert, stellen drei italienische Fahrgäste fest, daß ihre Koffer gestohlen wurden! Das habe ich - gerade als Vielreisender verwunderlich! - jetzt das erste Mal erlebt. In der Anfahrt nach Frankfurt baue ich mein Rad schon zusammen und hänge es an den Haken. Pünktlich erreiche ich Frankfurt!

Nachbemerkung

Und Glück gehabt, denn ich lese im Nachhinein "Wetter in Deutschland: Erster zu nasser April seit 15 Jahren ..., der diesjährige April stellte sogar einen 15-Jahres-Rekord [an Niederschlag] auf. [30.5.23] So fielen nach vorläufigen Berechnungen mindestens 64 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Das wären gut zehn Prozent mehr als die 58 Liter Niederschlag in der Referenzperiode 1961 bis 1990."! (Quelle) [8.5.23] Und weiter: "Der Temperaturtrend stieg aber Strück [sic!] für Stück bis zu den Osterfeiertagen, ehe er danach wieder zurückging und sich auf recht durchschnittlichem bis etwas zu kühlem Niveau einpendelte. So ging es auch bis Monatsende weiter. Sogar Schnee fiel in der zweiten Monatshälfte noch einmal. Werte von 20 Grad und mehr waren hingegen die Ausnahme." (Quelle) [8.5.23]

Fazit

Folgt später mit etwas Abstand zur Reise ...

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