Herbsttour 2019: Giro d'Italia del nord

Vom Monferrato über die Poebene zum Alpenhauptkamm

Übersicht der Route

Landkarte Verona - Cremona - Po - Piemont - Vercelli - Mailand in der Übersicht und im Detail (5,5 MB).

Anreise nach Verona mit der Bahn und fahrt in's Piemont

Über München, wo derzeit der Hauptbahnhof abgerissen wird, und den Brenner, wo immer genug Zeit für einen Cappuchino im Bahnhofsrestaurant ist, erreiche ich Verona, wo ich im Zentrum unterkomme und nach dem Restaurantbesuch das Wetter studiere. Der erste Tag führt mich auf alten Spuren bei bestem Wetter über Lazise nach Peschiera am Lago di Garda. An einer monumentalen Kirche in Fiesse vorbei durch flaches Gelände komme ich nach Cremona. Hier finde ich ein Hotel mit Blick vom Balkon zum Dom-Komplex. Dieser ist einmalig schön und die Fassade leuchtet in der Abendsonne. Mi., 2.10.19, 124 km, Ø 23,7 km/h, (5:14) 612 Hm, ~25°C (62 EUR) Heute setzt sich die Sonne von Anfang an durch: Vor der Abfahrt fahre ich nochmals zum Dom und sehe ihn mir von innen an. Dann geht es über Nebenstrecken und auf dem Deich des Pos entlang nach Piacenza, wo mich zuerst das Postamt in einem alten Palazzo erstaunt. Ich entschließe mich, nicht weiter dem Po zu folgen, sondern überquere den Trebbia mit Blick auf die Nordhänge des Apennin. Hier kommen die ersten Weinhänge in Sicht, die Straßen schlängen sich die Hügel hinauf (im Hintergrund die Poebene) und im leicht diesigen Hintergrund zeichenen sich der Alpenhauptkamm ab. Übernachten tue ich im alten Thermalbad Salice Terme, wo ich einen Riesling trinke aus Oltrepo Pavese, also ganz lokal:-) Do., 3.10.19, 130 km, Ø 23,0 km/h, (5:40) 1.402 Hm, -°C (50 EUR) Eigentlich war das Wetter besser vorausgesagt, doch in Tortona gerate ich in der Nähe des Bahnhofs, wo ich dieses schöne Haus aus dem Jugendstil sehe, in Nieselregen:-| So weiche ich den Wolken in einem Bogen nach Norden (hier mit Blick über das Tal des Tanaro) und über Alessandria aus. Auf bekanntem Weg mache ich einen Abstecher nach Castelnuovo Belbo; gelesen habe ich hier von einem kleinen Winzer: Cossetti. Da ich zwar keinen Wein kaufen will, lese ich vor der Einfahrt noch mal nach. Dabei spricht mich ein Mitarbeiter an und öffnet das Tor. Begrüßen tut mich die Senior-Chefin Cossetti persönlich; eine sehr vornehme Person. Da schon zwei Besucher zu einer Weinprobe da sind, kann ich mich anschließen und wir verkosten, was die Regale hergeben. Zum Mitnehmen habe ich mich für eine kleine Flache La Vigna Vecchia Barbera d'Asti Superiore entschieden. Vor der Abfahrt habe ich mir die im Artikel erwähnten großen Betriebsräume angesehen. Zum Übernachten fahre ich spontan durch Nizza Monferrato durch und bleibe - eher zufällig - in Canelli: Denn erst abends erinnere ich mich an einen anderen Artikel "150 Jahre 'Champagne Italiano'", der die ganzvollen Zeiten der Stadt Canelli und ihre 'unterirdischen Kathedralen' wieder aufleben läßt. Fr., 4.10.19, 103 km, Ø 23,4 km/h, (4:23) 585 Hm, -°C (66 EUR)

Rundfahrten durch die Langa

So fahre ich bei den genannten Weingütern der Stadt vorbei: Die Führung bei Bosca ist ausgebucht und beginnt gerade; bei Contratto soll die Fürhung 25 EUR kosten. So hebe ich mir das für einen späteren Besuch auf ... Durch's Belbo-Tal - mit Einkehr in der Kooperative Vallebelbo Vini e Spumante - erreiche ich die Alta Langa (Blick auf Benevello), bekomme in Roddino und Monforte keinen Platz zum Essen (klar: Sonniges Wochenende zur Weinlese während der Trüffelmesse in Alba!), lasse mein Gepäck in der Herberge beim Winzer Revello und fahre - mit bestem Blick - eine kleine Runde Richtung Dogliani: Vorher schon erblicke ich die Cantina Cooperativa Dolcetto di Dogliani, ein besonderes Anbaugebiet mit DOCG-Status und probiere ein paar Dolcetto Dogliani, wobei mir ein jüngerer Wein direkt aus den Tanks gezapft wird. Zurück geht es durch die herrliche Landschaft der Langa (mit blick auf Ovello, links und La Morra, rechts). Der Mont Viso erhebt sich dazu mächtig aus dem Dunst der Ebene ... Sa., 5.10.19, 98+8 km, Ø 20,7 km/h, (4:44) 1.739+50 Hm, -°C (62 EUR) Heute fahre ich nur eine kleine Runde, besuche die Bar La Terrazza in Castiglione Falletto und nist mich in Alba im Savona ein: Hier tobt der Palio degli Asini, ich komme kaum zum Hotel durch. Das Wetter ist so lala, so hänge ich mehr in den Bars rum. Abends dann der große Umzug des Stadtteils, ich gehe in der Osteria dell'Arco essen. So., 6.10.19, 54 km, Ø 21,1 km/h, (20,7) 833 Hm, 13~22°C (80 EUR)

Abreise durch die Poebene nach Mailand

Die Alta Langa liegt unter Wolken, während ich Alba Richtung Barbaresco verlasse. Über Canale mache ich mich auf gen Norden, passiere das verschlafene Isolabella und Pessione (Bahnhof), wo Martini & Rossi ihren Aufstieg erlebt haben. In Chieri mache ich im alten Stadtzentrum Pause, erreiche östlich von Turin den Po (mit Alpenpanorama im Hinterrgund), erklimme bei bestem Wetter den ersten Ort Gabbiano im Monferrato mit Rückblick über die Poebene bis zu den Alpen, ein grandioses Spektakel! Unterhalb des Ortes schmiegt sich der Po an die Berghänge, während der Blick über die Ebene wieder bis zum Alpenhauptkamm geht. Mit den letzten Sonnenstrahlen erreiche ich Vercelli (hier die Synagoge). Unterkommen tue ich - fälschlicherweise - in einer Pilgerherberge des Via Francigena: So esse ich abends zusammen mit wirklichen Pilgern in dem 'Pilgerrestaurant' um die Ecke und lerne Philip kennen der zwischen Schule und Ausbildung oder Studium den gesamten Weg von Canterbury bis Rom geht! Mo., 7.10.19, 162 km, Ø 23,0 km/h, (7:02) 1.410 Hm, -°C (5 EUR) Vor der Weiterfahrt - das Frühstück war um 7:00 angesetzt, danach mußten wir die Herberge verlassen - werfe ich einen Blick in den romanischen Dom - wo es viel wärmer ist als draußen, der innen gotisch ausgeschmückt ist. Im Kreuzgang sind die Kapitelle original und besonders schön. Den Wolken ausweichend fahre ich zuerst südlich, um anschließend über Rosasco nördlich auf Novara zu fahren: Hier wollte ich mir den kuppelartigen Kirchenbau unbedingt aus der Nähe ansehen. Auf Turbigo überquere ich den Ticino (STEREO) und finde am Naviglio Grande mein 'Lieblingsrestaurant' wieder geschlossen vor:-( Etwas weiter aber kenne ich ein weiteres ..., welches aber auch zu hat. Doch unweit auf der gegeüberliegenden Seite sind Leute auf der Terrasse eines weiteren Restaurants! Es ist 14:00, Essen gibt es bis 15:00 und und es ist noch sehr gut besucht. Sofort bekomme ich - auch in Radklamotten - einen Tisch und bestelle das Menü: Es gibt ein traumhaftes Risotto, anschließend ein Pürree aus Polenta mit Gulasch! ... da freue ich mich schon auf die Tour im Frühjahr:-) Mit einem Rückblick den Naviglio entlang verabschiede ich mich, wechsel in Abbiategrasso die Navigli und fahre ab jetzt am Naviglio di Bereguardo weiter auf Pavia. Dieser Kanal ist neuerlich erst instandgesetzt worden, sodaß er wieder Wasser führt. In Pavia sind alle Hotels am Bahnhof voll, so weiche ich auf das etwas abgelegene Hotel Rosengarten aus. Beim abendlichen Rundgang fällt mir noch diese besonders schöne Hausfassade von der Jahrhundertwende auf. Di., 8.10.19, 137 km, Ø 24,1 km/h, (5:40) 309 Hm, 10-16~20-25°C (75 EUR) Dummerweise soll es gerade am Vortag meiner Heimreise den ganzen Tag regnen und noch dümmererweise entscheide ich mich dafür, nach Mailand zu fahren:-| Ich verlasse aber Pavia am Naviglio di Pavia mit den letzten Sonnenstrahlen, vorbei an der Certosa di Pavia (schon ohne Sonne) und erreiche in Mailand flott und ohne Regen den Dom. Nach der Hotelsuche kaufe ich die FAZ am Bahnhof Milano Centrale ((eindrucksvolle Treppenaufgänge) und beim Verlassen schon hat es sich eingeregnet. So esse ich ganz in der Nähe in einem angesagten Restaurant, wo selbst Nudeln hergestellt und verkauft werden. Das Wetter ist wenig verheißungsvoll:-| Und im Gegensatz zu meinen bisherigen Erlebnissen mit Menschen und Küche sind die Leute hier eher unfreundlich; in einem Weinrestaurant haben sie keinen Moscato; das Essen ist eher lieblos zubereitet und die Menschen strömen nur so herein: Unverständlich! Alleine diese Fassade im Liberty Style erregt meine Aufmerksamkeit: Das Design setzt sich über den Treppenaufgang im ganzen Treppenhaus fort. Do., 9.10.19, 47 km, Ø 21,6 km/h, (2:10) 95 Hm, -°C (79 EUR) Da der Zug erst um 11:23 fährt, frühstücke ich lange, begebe mich zum Bahnhof und frage mich, warum ich statt Mailand nicht den Naviglio Richtung Norden nach Sesto Calende gefahren bin?! Dort hätte ich sicher keine FAZ bekommen, ok; aber allemal ein besseres Ambiente. Denn bei diesem Wetter hätte ich bis 12:21 noch schön von Sesto nach Stresa fahren können und dort einsteigen; das Rad hätte ich schon irgendwie untergebracht.

Fazit

Nach langer Unterbrechung also mal wieder das Piemont im Herbst (860 km): Eine tolle Gegend mit Landschaft und Genuß (Strada dei Vini e dei Sapori); leicht und schnell zu erreichen mit der Bahn, flach in der Poebene oder an den Kanälen, hügelig im Monferrato und der Langa und bergig an den Alpen und der Alta Langa. Geschichtsbeladene Städte wechseln mit kleinsten Dörfern ab. Und das Allerbeste: Während es die Leute in Mailand wirklich nicht nötig haben, sind die Menschen auf dem Lande sowas von freundlich und hilfsbereit ..., unfaßbar!

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